»Das Zusammentreffen bleibt wichtig« – Ein Interview mit Jürgen Mayer H.

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In den internationalen Projekten von Jürgen Mayer H. schließen sich Architektur und neue Technologien nicht aus – sie ergänzen sich vielmehr. Sein Studio J. MAYER H. und Partner steht für neue Raumideen und eine ganz eigene Formensprache. Wir sprachen mit ihm über Orte der Zusammenkunft, neue Medien in „realen“ Räumen und seinen persönlichen Fokus bei der imm cologne.

Jürgen Mayer H., Sie planen mit Ihrem Studio derzeit das Projekt „Volt“ nahe dem Alexanderplatz in Berlin, das ungewöhnliche Funktionen mischt. Was ist besonders daran?

Man kann schon fast von einer neuen Typologie sprechen. Den Schwerpunkt bildet ein Multi-Brand-Konzept, hinzu kommt ein Hotel, aber neu sind vor allem unterschiedliche Aktivitätsbausteine wie eine Surfwelle und ein Flugtunnel für Indoor-Skydiving. Der mittlere Teil des Tunnels ist verglast; man kann von außen hineinschauen und sehen, wie jemand auf drei bis sechs Metern Höhe fliegt. Das Besondere ist, dass solche künstlichen Naturerlebnisse mitten in der Stadt möglich sind. Zugucken ist dabei mindestens so wichtig wie Mitmachen. Es soll ein Ort werden, wo man sich gerne verabredet, Zeit miteinander verbringt, und dabei wird sicher auch Social Media ein wichtiger Faktor sein, die Erlebnisse mitzuteilen.

Die neuen medialen Möglichkeiten sind ein spannender Punkt. Ein viel diskutierter Aspekt ist etwa der Trend zum online-Shopping. Inwieweit haben die medialen Entwicklungen Auswirkungen nicht nur auf unser „Shopping von zuhause“, sondern auch auf die „reale“ Retail-Architektur?

Wir haben letztes Jahr dazu eine Studie gemacht: Was ändert sich, wenn Ladenflächen in der Innenstadt immer teurer werden, sodass man nicht mehr das ganze Sortiment zeigen kann – dies aber auch nicht mehr nötig ist, weil interaktive Medien an diese Stelle treten? Ich setze ein Brillenmodell auf, werde gefilmt, und die Software kann andere Farben oder sogar andere Modelle darstellen. Die Vielfalt der Produkte entsteht virtuell, das Lager befindet sich ganz woanders, während die Produktpalette durch Customization stark wächst. Das ist in der Autobranche üblich und spielt zunehmend auch in der Mode und im Möbelbereich eine Rolle. Firmen, die Shopping-Display-Elemente entwickeln, müssen schauen, wie diese Medialisierung Teil des Einkaufserlebnisses werden kann.

Sie sprachen eingangs vom „Miteinander“. Die imm cologne ist nicht nur Ort des Business und der Trends, sondern auch der Begegnung. Worauf legen Sie bei Ihren Besuchen selbst den stärksten Fokus?

Das Netzwerken steht im Vordergrund. Der Überblick über neueste Trends ist spannend, aber da leisten die Medien bereits einiges. Doch das Knüpfen von Kontakten, das Wiedertreffen von Leuten – das lässt sich nicht ersetzen. Und natürlich ist auch die Inszenierung wichtig. Die Präsentation vor Ort erlaubt es, Produkte und ihre Potentiale noch einmal ganz anders darzustellen.

 

Jürgen Mayer H. ist Gründer des Architektur- und Designbüros J. MAYER H. und Partner in Berlin. Das Studio arbeitet an den Schnittstellen von Architektur, Kommunikationsdesign und Neuen Technologien. www.jmayerh.de