»Aus Recycling wird Upcycling«: Ein Interview mit Dr. Sascha Peters

In Interior Design by admin

Upcycling und nachhaltige Materialkreisläufe sind das Thema einer Sonderfläche, die auf der kommenden interzum 2017 von Dr. Sascha Peters gestaltet wird. Wir sprachen mit dem renommierten Materialexperten über das Konzept für die Sonderschau, innovative Anwendungen und Fertigungstechniken sowie Möbel aus Biomaterialien.

Dr. Sascha Peters, wie schon vor zwei Jahren waren Sie im Oktober auf der Orgatec 2016 wieder für die Sonderfläche „Innovation of Interior“ verantwortlich; ein Format, welches im Rahmen der Interzum entwickelt wurde. Welche Innovationen wurden bei dieser Präsentation vorgestellt? Haben sich die Schwerpunkte seit der letzten Ausgabe der Messe verändert?

In den letzten Jahren konnten wir in zwei Bereichen eine hohe Entwicklungstätigkeit innovativer Materialien bei Unternehmen und Forschungsinstituten erkennen, die für moderne Wohn- und Arbeitswelten eine Rolle spielen können. So hat sich die Anzahl und Vielfalt von Anwendungen für smarte Materialien deutlich gesteigert, also solchen Werkstoffen, die auf äußere Einflüsse und Umweltfaktoren reagieren. Den zweiten Schwerpunkt unserer Sonderfläche widmeten wir dem smarten Umgang mit ungewöhnlichen Ressourcen, meist natürlichen Wertstoffen, die normalerweise nicht verwendet werden. Zu den Exponaten zählte zum Beispiel ein Hocker aus antiseptischer Birkenrinde.

Was bedeuten die neuen Material- und Verarbeitungsmöglichkeiten für die Anwendung in der Büroarchitektur und -ausstattung?

Die Verwendung von funktionsintegrierten Werkstoffen und ein smarter Materialgebrauch gibt den Designern und Architekten moderner Arbeitsumgebungen die Möglichkeit, sehr viel bewusster mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen. Smarte Materialien reagieren automatisch auf sich verändernde Umgebungseinflüsse und handeln in Kontexten von Verschattung, Klimatisierung, Akustik oder Beleuchtung im Sinne des Menschen. Die Bürogestaltung fällt mit diesen Werkstoffen sehr viel schlichter aus. Der Materialeinsatz und damit auch das Gewicht der Systemkomponenten sind reduziert. Dies kommt der Veränderbarkeit von Büroatmosphären und der Flexibilität am Arbeitsplatz entgegen.

„Smarte“ Materialien erfordern innovative Herstellungsarten. Welche interessanten Ansätze gibt es hier und wohin führen diese?

Die interessanteste Entwicklung bei innovativen Produktionsweisen ist zweifelsohne der 3D-Druck bzw. additive Fertigungstechniken. Gemeint sind Verfahren, die nicht auf konventionellen Materialien abnehmenden Prozessen basieren wie beim Fräsen, Drehen oder Bohren sondern auf Material aufbauend funktionieren. Der große Vorteil dieser Fertigungsprozesse ist, dass sich selbst komplexe Bauteilgeometrien mit inneren Hohlraumstrukturen umsetzen lassen, die sich auf keine andere Weise erzeugen lassen. In Kombination mit den Möglichkeiten der Digitalisierung und des Datentransfers über das Internet scheinen wir der individualisierten Fertigung von Produkten ein Stück näher zu kommen.



Die soeben genannten Entwicklungen haben Sie im Rahmen der interzum 2015 auf der ioi-Sonderfläche „4th Industrial Revolution: 3D Printing“ präsentiert. Welche Schwerpunkte wurden gesetzt?

Wir haben in der Ausstellung die Möglichkeiten für den Einsatz generativer Produktionsverfahren für Interior- und Möbeldesigner dargestellt und anhand einiger herausragender Projekte die zukünftigen Anwendungspotenziale aufgezeigt. Dabei sind wir auf die unterschiedlichen additiven Techniken ebenso eingegangen wie auf die derzeit verarbeitbaren Werkstoffe und Materialien. Live-Präsentationen der derzeit größten serienmäßig erhältlichen FLM-Anlage (Fused Layer Modeling) „BIG Rep“ sowie eines Food-Printers machten den Technologiebereich erlebbar.

Die nächste Ausgabe von Innovation of Interior wird auf Interzum 2017 präsentiert. Können Sie schon einen kleinen Ausblick geben?

Die nächste interzum-Sonderfläche werden wir dem Thema „Upcycling“ widmen. Der Umgang mit den vorhandenen Ressourcen und die Umstellung industrieller Produktion auf geschlossene Werkstoffkreisläufe werden die industriellen Gesellschaften im nächsten Jahrzehnt beschäftigen. Die Orientierung weg vom „Verbrauch“ einer Ressource hin zu ihrem „Gebrauch“ hat vor allem für materialintensive Branchen eine besonders große Bedeutung und wird mit Blick auf die steigende Weltbevölkerung zum Treiber für Innovationen. Neue Upcyclingprozesse werden den Ressourcen- und Energieeinsatz auf allen Ebenen deutlich reduzieren. Idealerweise sollen am Ende der Lebenszyklen keine Abfälle anfallen sondern hochwertige Materialien entstehen, die den Ausgangspunkt für den Beginn eines nächsten Produktlebens bilden. Aus Recycling wird Upcycling, so dass Abfälle gar nicht erst entstehen und die Ressourcen im Kreislauf gehalten werden. Anhand einiger herausragender Beispiele von Herstellern, Designern und Architekten werden wir im Rahmen der Sonderfläche „Innovation of Interior“ die Potenziale von Upcyclingmodellen und die Ausbildung nachhaltiger Materialkreisläufe aufzeigen. Ein besonderes Augenmerk wird auf das Recycling von Energie im Kontext von Energy Harvesting Systemen gelegt. Die Besucher dürfen gespannt sein!

 

Dr. Sascha Peters ist Gründer und Inhaber von HAUTE INNOVATION – Agentur für Material und Technologie in Berlin.