Material und Oberfläche: Ein Gespräch mit Sylvia Leydecker

In Interior Design by admin

Die Innenarchitektin Sylvia Leydecker ist eine international gefragte Expertin für neue Materialien. Mit ihrem Büro 100% interior entwickelt sie zukunftsweisende Raumkonzepte für Unternehmen im In- und Ausland. Als Vizepräsidentin des Bund Deutscher Innenarchitekten (BDIA) kennt sie die Branche wie kaum eine andere. Ein Gespräch über die Bedeutung von Materialien und Oberflächen für ihre Arbeit und die Erwartungen an die kommende interzum.

Frau Leydecker, welchen Stellenwert hat die Thematik Materialität und Oberflächen in Ihrer Arbeit?

Mich beschäftigt die Frage: Was ist für die Umsetzung einer Raumvision zielführend? Die Antwort darauf umfasst für mich ganz wesentlich Material und Oberfläche. Sie bilden eine Einheit, können aber auch losgelöst voneinander sein. Es kommt ganz darauf an – aber der Stellenwert ist immer ganz oben.

Mit welchen Materialien arbeiten Sie gerne? Worin liegt der besondere Reiz oder die spezifische Qualität?

Ich schätze klassische Materialien wie massives Holz, wenn es sich durch exzellente Verarbeitungsdetails und die Fähigkeit in Würde zu altern auszeichnet. Andererseits liebe ich künstliche High-Tech-Materialien, wie Carbon, Aerogel und Lichtbeton – Materialien, die transluzent und diffus wirken oder dichroitisch sind und die erst mit Lichtwirkung ihr volles Potenzial entfalten. Auch Klebefolien in zahllosen Varianten von Spiegel bis Glitzer finde ich großartig, um damit unkompliziert meine Ideen umzusetzen. Alles von natürlich über High-Tech bis künstlich besitzt für mich eine materialimmanente eigene Poesie, solange meine Vision stimmt.

Wo sehen sie die größten Entwicklungen bzw. Entwicklungspotentiale?

Die größten Potenziale sehe ich in innovativen Technologien, wie umweltgerechten Herstellungsverfahren oder der Produktion funktionaler Oberflächen, die zum Beispiel Energie leiten können. Ebenso sehe ich sie in der Reparaturfähigkeit statt Entsorgung. Parallel passend dazu eine Renaissance handwerklicher Qualitäten, immer noch der Individualisierung in der Masse, wie z.B. 3D-Drucktechniken. Insgesamt deren Kombination mit Digitalisierung in jeglicher Hinsicht.

Welche Erwartungen haben Sie an die interzum 2017? Welche Impulse bietet Ihnen die Messe für Ihre Arbeit?

Ich möchte vor allem Innovationen entdecken, die Raum für meine Visionen lassen und meine gestalterische Freiheit vergrößern, Dinge neu zu denken und auszudrücken. Als bekennender Materialfreak bin ich gespannt, was mich diesmal erwartet und was ich davon konkret in meine Entwürfe integrieren werde.

 

Sylvia Leydecker arbeitet als Innenarchitektin mit ihrem Büro 100% interior auf den Feldern Healthcare und Office, Produkt- und Ausstellungsdesign. Außerdem ist sie eine international gefragte Expertin für neue Materialien, renommierte Buchautorin und Vizepräsidentin des Bund Deutscher Innenarchitekten (BDIA).